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Semere ist 18 Jahre alt und wohnt bei seiner Großmutter in der äthiopischen Großstadt Jimma. Neben seiner Arbeit in einer Schreinerei besucht er eine Schule, um seinen Schulabschluss nachzuholen. Dass Semere heute von seinem Verdienst lebt, zusätzlich seine Großmutter finanziell unterstützt und sogar ein wenig Geld zurücklegen kann, war ihm nicht in die Wiege gelegt.

Straßenkinderprojekt in Jimma

Semere[1] ist 18 Jahre alt und wohnt bei seiner Großmutter in der äthiopischen Großstadt Jimma. Neben seiner Arbeit in einer Schreinerei besucht er eine Schule, um seinen Schulabschluss nachzuholen. Dass Semere heute von seinem Verdienst lebt, zusätzlich seine Großmutter finanziell unterstützt und sogar ein wenig Geld zurücklegen kann, war ihm nicht in die Wiege gelegt. Denn der 18Jährige wuchs als Waise auf, lebte längere Zeit auf der Straße, kämpfte dort mit gesundheitlichen Problemen, nahm Drogen und wurde Opfer von Gewalt. Die Aufnahme in das von kinder unserer welt unterstützte Straßenkinderprojekt SCYP (Street Children and Youth Project) öffnete ihm den Weg in ein neues Leben.

Semeres Heimatort Jimma, im Südwesten Äthiopiens gelegen, entwickelte sich innerhalb von 20 Jahren von einer Kleinstadt zu einer für die äthiopische Wirtschaft wichtigen Metropole und Universitätsstadt. Nach dem Einbruch der Kaffeepreise in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts zogen viele Familien aus dem Umland in die Stadt, getrieben von der oft trügerischen Hoffnung, sich dort ein besseres Leben aufbauen zu können. Sie errichteten Wellblechhütten und lebten von der Hand in den Mund. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die auf oder von der Straße lebten, wuchs, denn immer häufiger waren Eltern nicht mehr in der Lage, ihre Kinder zu ernähren.

Seit Ende 2024 nun erhalten internationale Firmen den Auftrag, Jimma zu einem internationalen Geschäfts- und Tourismuszentrum umzubauen. Große Straßen zerschneiden gewachsene Strukturen, hochpreisige Hotels, Restaurants und Einkaufszentren säumen die Ausfahrtsstraße zum Flughafen. Rücksichtslos werden die mühsam gewachsenen Strukturen mit den Wellblechvierteln der ärmeren Bevölkerung zerstört. Zugleich kämpfen die Äthiopier gegen Inflation und Wirtschaftskrisen. In der Folge leben und arbeiten immer mehr Kinder und Jugendliche, darunter viele Mädchen, unter menschenunwürdigen Bedingungen auf der Straße.

Angesichts der großen Zahl schutzbedürftiger, unversorgter Kinder gründeten die äthiopische NGO Facilitator for Change (FC) und kinder unserer welt mit dem Street Children and Youth Project 2003 das erste und bislang einzige Straßenkinderprojekt in Jimma. FC, selbst aus einer ehrenamtlichen Organisation (CBO: Community Based Organisation) hervorgegangen, arbeitet mit lokalen Frauenselbsthilfegruppen und Nachbarschaftshilfen (Idirs) zusammen. Diese sind eng mit ihrem sozialen Umfeld verbunden, stellen ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und sammeln unermüdlich Spenden für das Straßenkinderprojekt.

Ziel des Projektes ist es, den Kindern und Jugendlichen eine dauerhafte Perspektive zu eröffnen. Angestrebt wird, dass sie ihren Schulabschluss nachholen und eine Ausbildung beginnen. Soweit möglich werden obdachlose Kinder zu ihren Familien zurückgeführt. Zugleich werden vorhandene lokale Institutionen und Organisationen zur Unterstützung der Straßenkinder gestärkt und erweitert.

Derzeit werden jährlich 75 Kinder und Jugendliche in das Projekt aufgenommen. Die für das Projekt ausgewählten Jungen und Mädchen durchlaufen nach einer medizinischen Voruntersuchung ein dreimonatiges Programm mit folgenden Schwerpunkten:

  • Versorgung der obdachlosen Kinder und Jugendlichen mit Kleidung, Decken und Matratzen
  • Unterbringung dieser Kinder und Jugendlichen bei Übergangsfamilien (home mothers) oder in einer Gruppenunterkunft (group homes)
  • medizinische Versorgung und psychologische Beratung
  • Life-skill-Training
  • Beratung der Familien
  • Kurzausbildung in den Bereichen Friseur und Beautysalon, Holzwerkstatt, Handarbeit, Umgang mit der Nähmaschine sowie Food Preparation.
  • Startgeld für den Übergang in die Selbstständigkeit.
  • Follow up: Begleitung und Nachbetreuung der Kinder und Jugendlichen in der ersten Phase ihrer Reintegration.

Dank der Unterstützung durch kuw kann Facilitator for Change Sozialarbeiter und Werkstattleiter einstellen, ehrenamtliche Mitarbeiter durch Fortbildungen schulen und begleiten, Werkstattgebäude und Sachmittel finanzieren und die Zusammenarbeit mit wichtigen Partnern vor Ort fördern.

Die regelmäßige Supervision des Projektes zeigt, dass diese Ziele in den letzten Jahren trotz aller Schwierigkeiten für einen Großteil der Projektteilnehmer erreicht wurden und werden.

Gerne würde Facilitator for Change mehr Kinder in das Projekt aufnehmen. Doch der durch die Modernisierungsmaßnahmen in Jimma erzwungene Umzug des Projektes – das alte Projektgebäude musste einem Parkplatz weichen - verursachte neue Kosten. Ein dem Projekt zur Verfügung gestelltes Gebäude wurde saniert, neue Werkstätten mussten eingerichtet werden. Gesucht wird derzeit nach einer weiblichen Sozialarbeiterin, die das Team von FC unterstützt, damit künftig mehr obdachlose Mädchen in das Projekt aufgenommen werden können.

Ohne das bewundernswert hohe Maß an ehrenamtlicher Arbeit hätte das Projekt keinen Bestand. So hoffen wir, dass die Spendengelder von kinder unserer welt das Projekt nicht nur materiell unterstützen, sondern auch dazu beitragen, dass die Mitarbeitenden weiterhin Mut und Kraft behalten, allen Widrigkeiten zum Trotz, obdachlosen Kindern und Jugendlichen einen Weg in die Zukunft zu eröffnen.


[1] der Name wurde geändert

Nach dem Tigray-Krieg: kinder unserer welt unterstützt den Wiederaufbau der medizinischen Grundversorgung für Mütter und Kleinkinder in May Hanse.

Die Einwohner der knapp 40.000 Einwohner zählenden Kleinstadt May Hanse lebten bis zum Bürgerkrieg 2020 in bescheidenen, aber auskömmlichen Verhältnissen. Doch während des zweijährigen Bürgerkriegs wurde ein Großteil der städtischen Infrastruktur zerstört, darunter Schulen, öffentliche Gebäude, Wasserversorgung und Gesundheitseinrichtungen. Viele Menschen verloren ihr Leben, Frauen wurden vergewaltigt und verstümmelt, Wohnungen verwüstet und geplündert. Zugleich suchten 15 000 Binnenflüchtlinge aus der bis heute besetzten Western Zone Tigrays Zuflucht in der Stadt. Noch immer können diese Menschen nicht in ihre Heimat zurückkehren.

In der Western Zone Tigrays liegt auch die 2012 gegründete Stadt Korarit. Dort unterstützte kinder unserer welt über viele Jahre die Gesundheitsstation für Mütter und Kleinkinder am lokalen Health Center. Mit dem Ausbruch des Bürgerkriegs brach der Kontakt zu diesem Projekt ab und konnte bis heute nicht wieder aufgenommen werden. Einem Teil der von Tod und Vergewaltigung bedrohten medizinischen Fachkräfte gelang die Flucht.

In einem gemeinsamen Assessment unserer Partnerorganisation Relief Society of Tigray (REST), dem tigrayischen Gesundheitsministerium und den lokalen Gesundheitsbehörden wurde die Wiederherstellung der Gesundheitsversorgung in May Hanse nach den kriegsbedingten Zerstörungen als besonders dringlich eingestuft. kinder unserer welt hat sich deshalb entschlossen, in Zusammenarbeit mit REST die medizinische Versorgung von Müttern und Kleinkindern in May Hanse wieder aufzubauen. Derzeit werden zwei Außenstellen des Health Centers – wichtige erste Anlaufstellen für die Menschen aus abgelegenen Dörfern - instandgesetzt, drei weitere Außenstellen erhalten dringend benötigte medizinische Ausstattungen, u.a. Entbindungsbetten, Untersuchungsstühle und Kühlschränke zur Aufbewahrung von Medikamenten. Von zentraler Bedeutung für die Mitarbeiter vor Ort ist die Finanzierung eines Motorrades, mit dem die weit entfernt liegenden medizinischen Außenposten erreicht werden können.

Fördergelder einer BMZ-nahen Stiftung und private Spenden ermöglichen es kinder unserer welt, die unverzichtbare, professionelle und engagierte Arbeit unserer Partnerorganisation REST auch 2026 zu unterstützen. Den häufig schwer traumatisierten Müttern und ihren Kindern in May Hanse möchten wir auch künftig ein zuverlässiger Partner sein.

Kanana ist eine informelle Siedlung aus Wellblechhütten und notdürftig errichteten Zelten unweit Bronkhorstspruit, in der Region Gauteng, Südafrika. Für die Bewohner der etwa 500 provisorischen Behausungen gibt es weder Strom, noch fließend Wasser. Die Kinder wachsen in großer Armut auf. Viele junge Menschen sind arbeitslos.

10 Kilometer von Kanana entfernt betreibt das Ubuhle Care and Development Center (UCDC) mit finanzieller Unterstützung von kinder unserer welt sehr erfolgreich ein Schul- und Förderzentrum für Kinder und Jugendliche im Alter von 2 bis 18 Jahren. (Unsere Projektseite) Die erschütternden Lebensbedingungen der Kinder in Kanana haben die Projektleiterin des UCDC nicht ruhen lassen. So werden in einer kleinen Wellblechhütte vormittags Live Skill-Kurse für junge, arbeitslose Erwachsene angeboten. Sie erwerben Kenntnisse am Computer, im Gartenbau und im Handwerk und verbessern dadurch spürbar ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Nachmittags verwandelt sich die Blechhütte in eine Afterschool: 150 Kinder werden dort bei ihren Hausaufgaben unterstützt und erhalten zuvor ein warmes Mittagessen – für die meisten Kinder die einzige warme und gesunde Mahlzeit am Tag.

Trotz des großen Engagements unserer Partnerorganisation UCDC und trotz lokaler Unterstützung – so werden die Lebensmittel für das Mittagessen z.B. von der benachbarten Firma Biowatt bezahlt – stößt die Arbeit der Organisation an ihre Grenzen. Das Essen für die Kinder muss in der kleinen und völlig überlasteten Küche des 10 Kilometer entfernten Schul- und Förderzentrums gekocht und anschließend nach Kanana transportiert werden. Und da für 150 Kinder nur die kleine Wellblechhütte als Unterrichtsraum zur Verfügung steht, findet die Betreuung in vier aufeinander folgenden Gruppen statt. Manche Kinder müssen bis in die Abendstunden auf die Hausaufgabenbetreuung warten.

Dank zahlreicher Spenden kann kinder unserer welt nun der Bitte unseres Projektpartners UCDC nachkommen und finanziert, zusammen mit der ortsansässigen Firma Biowatt, eine mobile Küche und den Bau dreier Klassenräume. Alle Kinder können jetzt gleichzeitig versorgt und betreut werden. Neben der Hausaufgabenbetreuung werden künftig auch Sport- und Freizeitaktivitäten angeboten. Bei Bedarf erhalten die Kinder psychosoziale Unterstützung. Und auch für die Schulkinder ist ein Life Skill-Training vorgesehen - eine großartige Veränderung im Leben der Kinder!

Seit über 30 Jahren unterstützt unsere äthiopische Partnerorganisation WAT (Women’s Association of Tigray) Frauen auf ihrem Weg in die wirtschaftliche und soziale Unabhängigkeit. Das Ausbildungsprogramm eröffnet den Teilnehmerinnen nicht nur die Möglichkeit, ihr eigenes Geld zu verdienen und Familienangehörige zu versorgen, sie stärkt auch ihre Position innerhalb der Familien und ermöglicht ihnen politische Teilhabe auf regionaler Ebene. 

In den Kriegsjahren 2020 bis 2022 wurde das von kinder unserer welt errichtete Ausbildungszentrum in Shire/Endaselassie beschädigt und geplündert. Das Ausbildungsprogramm musste mit Kriegsbeginn unterbrochen werden; seitdem dient das Zentrum als Unterkunft für Geflüchtete und Vertriebene.

100 000 tigrinische Frauen und Mädchen wurden, einer Untersuchung der Universität Kalifornien zufolge, in den Kriegsjahren 2020 bis 2022 Opfer schwerster sexueller Gewalt.

Auch das Leben der 24jährigen Selam[1] wurde durch den Krieg zerstört. Ihr Mann, mit dem sie einen kleinen Getränkeladen betrieb, wurde ermordet, das Geschäft geplündert und die junge, schwangere Frau stand vor dem Nichts. Dass sie heute sich und ihr Kind ernähren und sogar kleine Ersparnisse zur Seite legen kann, verdankt sie der engagierten Arbeit unserer Partnerorganisation Women’s Association of Tigray. Denn das Ausbildungsprogramm konnte mit Hilfe von kinder unserer welt - Spenden 2024 in kleinerem Rahmen wieder aufgenommen werden.

2025 wurden die beruflichen Trainingsangebote durch die Unterstützung von kinder unserer welt erweitert. Gefördert werden in diesem Jahr 300 Mädchen und Frauen aus Shire/Endaselassie und zwölf umliegenden Regionen. Das Programm richtet sich an häufig schwer traumatisierte Mädchen und Frauen, die sich in großer finanzieller Not befinden, mit ihrem Einkommen zur Ernährung von Kindern, alten und hilfsbedürftigen Menschen in ihrem Haushalt beitragen und die bereit sind, sich über die Teilnahme an dem Projekt hinaus für ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit zu engagieren.

In einem achttägigen Kurs werden die Teilnehmerinnen zu Kleinhändlerinnen, Schafs- oder Ziegenzüchterinnen ausgebildet, auch Gartenbau- oder Töpferkurse können belegt werden. Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung erhalten sie einen kleinen Startkredit für ihren Einstieg in die Erwerbsarbeit und werden bei ihrem Schritt in die Selbstständigkeit professionell begleitet.

Die 50jährige Hayat[1] eröffnete nach der Teilnahme an dem Ausbildungsprojekt einen kleinen Laden. Heute ernährt sie mit ihren Einkünften ihre große Familie und kann darüber hinaus vier ihrer sieben Kinder auf die Schule schicken. So ermöglichen unsere Spenden auch Kindern eine bessere Zukunft.


[1] Namen geändert

Ausgerechnet die Modernisierungsmaßnahmen in der schnell wachsenden Wirtschafts- und Verwaltungsmetropole Jimma gefährden derzeit den Erfolg des von kinder unserer welt unterstützten Straßenkinderprojektes. Mehr denn je sind unsere Partner vor Ort auf unsere Unterstützung angewiesen, um ihre Arbeit fortzusetzen.

Das Projekt

Seit 2003 unterstützt kinder unserer welt das Straßenkinderprojekt unserer äthiopischen Partnerorganisation „Facilitator for Change“ in Jimma. Über 2000 Kinder und Jugendliche wurden seitdem betreut, konnten in ihre Familien zurückgebracht oder auf ein Leben in Selbstständigkeit vorbereitet werden.

Jahr für Jahr werden etwa 75 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Aba Jifar Training Center (AJTC) des Projektes ausgebildet, die jungen Menschen werden dort psychosozial betreut und erhalten für die Dauer der Projektteilnahme Unterkunft und Verpflegung. Zugleich halten die Sozialarbeiter des Projektes durch aufsuchende Sozialarbeit Kontakt zu Kindern und Jugendlichen, die weiterhin auf der Straße leben.

Veränderungen

Im Frühjahr 2024 beschloss die äthiopische Regierung, Jimma sowie andere große Städte des Landes zu modernisieren. In Jimma wurde in diesem Zuge ein breiter Straßenkorridor von der Innenstadt zum Flughafen gebaut. Die Häuser entlang der alten Straßen wurden abgerissen, Menschen verloren ihre Wohnungen, wurden obdachlos oder umgesiedelt, Werkstätten, Läden und Cafés wurden zerstört und mit ihnen das soziale Gefüge der Umgebung. Betroffen war auch das Aba Jifar Training Center, das Zentrum des Straßenkinderprojekts.

Zeitgleich führt die rasant steigende Inflation in Äthiopien auch in Jimma und Umgebung zu wachsender Armut. Immer mehr Kinder und Jugendliche, vor allem aber immer mehr Mädchen leben auf der Straße und leiden dort unter Hunger, Kälte, Gewalt und Perspektivlosigkeit.

Neuanfang

Dank guter Beziehungen unseres Projektpartners konnte das AJTC in leerstehende Gebäude am Stadtrand umgesiedelt werden. Alle Werkstätten wurden wieder errichtet, doch bedarf es umfangreicher Sanierungsarbeiten, um das neue Zentrum dauerhaft erfolgreich betreiben zu können: Die Werkstätten erfüllen nicht durchgehend erforderliche Sicherheitsstandards, die Toiletten funktionieren nur eingeschränkt, die Bausubstanz ist angegriffen, Stromanschlüsse müssen verlegt werden.

Trotz aller Schwierigkeiten werden auch 2024/25 wieder 75 Kinder und Jugendliche in dem Projekt betreut und ausgebildet.

Probleme und Ausblick

Mit unermüdlichem Einsatz der Mitarbeiter des Straßenkinderprojekts gelingt es weiterhin erfolgreich, Straßenkinder in ihre Familien zurückzuführen. Rückschläge gibt es derzeit vor allem bei der Überführung der Projektteilnehmer in die wirtschaftliche Selbstständigkeit, da Werkstätten und Läden entschädigungslos zerstört wurden und eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage nicht in Sicht ist.

Künftig sollen verstärkt obdachlose Mädchen in das Projekt aufgenommen werden. Das Ausbildungsangebot soll durch einen Lehrgarten und eine Hühnerzucht erweitert werden.

kinder unserer welt unterstützt weiterhin die unermüdliche Arbeit unserer Projektpartner vor Ort. Eine Erhöhung des Budgets ist derzeit jedoch nicht möglich, denn auch in den anderen kinder unserer welt-Projekten verschlechtern sich die humanitären, sozialen und wirtschaftlichen Lebensumstände für Mütter und Kinder und die finanziellen Bedarfe sind hoch. Mittels einer Spendenkampagne sammeln wir Sonderspenden für die notwendigen Instandhaltungsmaßnahmen und die Ausstattung der Werkstätten im AJTC und wir sind dankbar für jede Unterstützung.

100.000 tigrinische Frauen und Mädchen wurden, einer Untersuchung der Universität Kalifornien zufolge, in den Kriegsjahren 2020 bis 2022 Opfer schwerster sexueller Gewalt. Gleichzeitig zerstörte der Krieg das von kinder unserer welt finanzierte Ausbildungszentrum für Mädchen und Frauen in Endaselassie/Shire.

Unsere tigrinische Partnerorganisation Women’s Association of Tigray hat nun ein Trainingsprogramm für schwer kriegsgeschädigte und traumatisierte Mütter und Mädchen entwickelt. Dank der finanziellen Unterstützung von kinder unserer welt werden zunächst 100 Teilnehmerinnen von einem psychosozialen Trainingsprogramm profitieren und von den Ausbildungstrainern des Vocational Training Centers zu Kleinhändlerinnen, Schafs- oder Ziegenzüchterinnen fortgebildet. Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung erhalten sie ein kleines Startkapital für ihren Einstieg in die Erwerbsarbeit. Ein kleiner Lichtblick nach zwei Jahren Krieg, in dem sie alles verloren haben.

kinder unserer welt freut sich, dass die erfolgreiche Arbeit des Ausbildungsprojekts, wenn auch zunächst in geringerem Umfang, fortgesetzt werden kann.

Rückblick auf das Jahr 2014: Zwanzig Jahre nach der Gründung im Jahr 1994 wurde das gemeinsam von der äthiopischen Organisation REST und kinder unserer welt aufgebaute und betriebene Mutter- und Kind-Gesundheitszentrum in Shire/Endaselassie an die tigrinische Stadt übergeben. Die erfolgreiche Arbeit des Zentrums konnte seitdem auch ohne finanzielle Unterstützung von kinder unserer welt fortgeführt werden. Die freigewordenen Kapazitäten wurden zum Aufbau eines Gesundheitszentrums in Korarit in der Western Zone Tigrays genutzt.

Doch ist die gesamte Western Zone Tigrays seit dem äthiopischen Bürgerkrieg 2020 – 2022 besetzt. Unzählige Menschen wurden Opfer von Gewalt, das neue medizinische Zentrum ist zerstört, einige Mitarbeiter konnten sich mit mehreren hunderttausend Vertriebenen nach Shire durchschlagen.

Aber auch in Shire wurden alle Gesundheitseinrichtungen beschädigt. Während die 100.000-Einwohnerstadt aktuell 275.000 Flüchtlinge beherbergen muss, gibt es keine staatliche Unterstützung für die Wiederherstellung zerstörter medizinischer Infrastruktur.

In den Flüchtlingslagern herrschen katastrophale hygienische Verhältnisse. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Medizin ist völlig unzureichend. Menschen sterben an Hunger und Cholera.

Die Wiederaufnahme der medizinischen Versorgung unter diesen widrigen Bedingungen ist eine Herausforderung. Dank der langjährigen Zusammenarbeit von REST und kinder unserer welt konnte in Shire bereits vor drei Jahren die medizinische Versorgung von Schwangeren, Neugeborenen und Kindern unter fünf Jahren wieder aufgenommen werden. Die Gesundheitsfürsorge umfasst Untersuchungen, Behandlungen, Geburtsbegleitung einschließlich Vor- und Nachsorge, Bekämpfung von Unterernährung und Impfungen. Zugleich werden Schulungen weiterer Gesundheitsbediensteter finanziert. Besonders kostenintensiv ist die Beschaffung von Arzneimitteln und medizinischer Ausrüstung.

Es ist erschütternd zu sehen, in welch kurzer Zeit der Krieg wichtige Infrastruktur zerstört hat und unendliches Leid unter den Menschen anrichtete. Bewundernswert sind Energie und Tatkraft, mit der das medizinische Personal in Shire seine Arbeit leistet. Wenn auch vieles zerstört wurde, so bewährt sich gerade in dieser Krisenzeit die vertrauensvolle Zusammenarbeit von kinder unserer welt mit der äthiopischen Partnerorganisation REST.

Wir hoffen, dass eines Tages auch das Gesundheitszentrum in Korarit wiederbelebt werden kann.

Straßenkinderprojekt in Jimma

Ajele*) hat es geschafft: Er arbeitet halbtags in einer Holz- und Metallfirma und finanziert von dem Erlös nicht nur Unterkunft und Lebensmittel für sich und seine kranke Mutter, von dem Geld kann Ajele auch wieder Schulmaterialien kaufen. Das war nicht immer so: Gelegenheitsarbeiten auf der Straße reichten nicht, um sich und seine Mutter zu ernähren. Heute ist Ajele zuversichtlich, in einigen Jahren eine eigene Holzwerkstatt betreiben zu können.

Ajele ist einer von 75 jungen Äthiopiern zwischen sieben und 18 Jahren, die jährlich von dem Straßenkinderprojekt SCYP (Street Children and Youths Project) in Jimma betreut und fortgebildet werden. Ziel des Projektes ist es, den Kindern und Jugendlichen mittelfristig ein eigenständiges Leben jenseits der Straße zu ermöglichen.

Die für das Projekt ausgewählten Jungen und Mädchen durchlaufen ein dreimonatiges Programm mit folgenden Schwerpunkten:

  • Versorgung der obdachlosen Kinder und Jugendlichen mit Kleidung, Decken und Matratzen
  • Unterbringung dieser Kinder und Jugendlichen in Übergangsfamilien oder einer Gruppenunterkunft
  • Medizinische Versorgung und psychologische Beratung
  • Life-skill-Training
  • Beratung und Unterstützung der Herkunftsfamilien
  • Kurzausbildung in den Bereichen Friseur und Beautysalon, Holzwerkstatt, Handarbeit und Umgang mit der Nähmaschine sowie Hauswirtschaft/Food Preparation.
  • Startgeld für den Übergang in die Selbstständigkeit.
  • Follow up: Begleitung der Kinder und Jugendlichen in der ersten Phase ihrer Reintegration.

Die Warteliste für die Teilnahme an dem Projekt ist lang. Mittelfristig sollen auch eigene Einrichtungen, so das vor einigen Jahren gegründete ‚Hibret Café‘ einen nennenswerten Beitrag zur Finanzierung des Projekts leisten. Doch vorerst ist das Straßenkinderprojekt weiter auf die Unterstützung von kinder unserer welt angewiesen.

*) Name geändert

Die ersten Auszubildenden freuten sich über den Besuch des Supervisionsteams aus Deutschland. Sie zeigten, was sie in den vergangenen Wochen alles gelernt hatten, während sie die Zutaten für das nächste Essen vorbereiteten. Dreimal in der Woche wird gekocht und das Essen wird von allen Kindern sehr geschätzt. Die Chancen sind gut, dass sie anschließend Arbeit finden und sich selbst versorgen können – und weg von der Straße kommen.

Nach dem Waffenstillstand im November 2022 zwischen der äthiopischen Regierung und der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF)  bemühen sich die Menschen, zu einer neuen Normalität zurückzufinden. Weiterhin sind jedoch Teile des Bundesstaats Tigray besetzt, sowohl von eritreischen Truppen als auch von Milizen aus anderen Bundesstaaten Äthiopiens.

Die Blockade von Telekommunikations- und Bankdienstleistungen, die uns von unseren Partnern vor Ort abgeschnitten hat, ist inzwischen aufgehoben. Berichte unserer Projektpartner zeichnen ein düsteres Bild über die Versorgungslage und Gesundheitssituation der Bevölkerung. Von den vielen Zerstörungen und Plünderungen sind auch unser Ausbildungszentrum in Shire und die Einrichtungen unserer Partner betroffen. Büros und Archive wurden zerstört, Fahrzeuge und anderes Material entwendet. Die Women's Association of Tigray und die Relief Society of Tigray arbeiten unermüdlich daran,  den vom Krieg massiv betroffenen Menschen Hilfe zu leisten und die Interimsregierung beim Wiederaufbau des Landes zu unterstützen.

Unser Ausbildungszentrum in Shire wird aktuell als Unterkunft für Geflüchtete genutzt.

kinder unserer welt steht unseren langjährigen Projektpartnern dabei zur Seite. Wir finanzieren dringend notwendige Beschaffungen von Medikamenten und u.a. die Gehälter der Mitarbeiter, die derzeit in der Mutter-Kind-Klinik in Endaselassie die von Krieg und Hunger betroffenen Frauen und Kindern medizinisch versorgen.