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Über 30 Jahre lang unterstützte kinder unserer welt das Ausbildungsprogramm VTC (Vocational Training Center), das Frauen in der nordäthiopischen Stadt Shire/Endaselassie wirtschaftliche und soziale Unabhängigkeit ermöglichte. Träger des Projekts ist unsere äthiopische Partnerorganisation WAT (Women’s Association of Tigray). Während der Bürgerkriegsjahre 2020 bis 2022 in Tigray kam die Projektarbeit zum Erliegen. Das Ausmaß von Zerstörung und Plünderung war enorm, viele Frauen waren durch ein unvorstellbares Maß an sexueller Gewalt traumatisiert, hunderttausend Flüchtlinge kämpfen in der Stadt bis heute um ihr Überleben.

Allen Widrigkeiten zum Trotz konnte das Ausbildungsprogramm 2024 in reduziertem Umfang wieder aufgenommen werden. Das Programm richtete sich nun vor allem an schwer traumatisierte Mädchen und Frauen, die sich in großer finanzieller Not befinden und mit ihrem Einkommen zur Ernährung von Kindern, alten und hilfsbedürftigen Menschen in ihrem Haushalt beitragen. In den Jahren 2024 und 2025 nahmen insgesamt 225 Mädchen und Frauen an dem Programm teil.

Schweren Herzens hat sich der Verein jetzt entschlossen, die Förderung des Projektes mit Beginn des Jahres 2026 auszusetzen. Anhaltende politische Spannungen in Tigray, die prekäre Sicherheitslage, eingeschränkte Handlungsfähigkeit unserer schwer angeschlagenen Partnerorganisation, mangelnde Liquidität der Mikrokreditbank Adeday sowie große Zukunftsunsicherheit verhindern derzeit eine wirksame Umsetzung des Ausbildungsprogramms. Zudem ist uns eine Projektbetreuung vor Ort durch unser Supervisionsteam aufgrund anhaltender Sicherheitsrisiken und Reisebeschränkungen verwehrt.

Wir hoffen, das Programm wieder aufnehmen zu können, sobald es die Umstände zulassen.

100.000 tigrinische Frauen und Mädchen wurden, einer Untersuchung der Universität Kalifornien zufolge, in den Kriegsjahren 2020 bis 2022 Opfer schwerster sexueller Gewalt. Gleichzeitig zerstörte der Krieg das von kinder unserer welt finanzierte Ausbildungszentrum für Mädchen und Frauen in Endaselassie/Shire.

Unsere tigrinische Partnerorganisation Women’s Association of Tigray hat nun ein Trainingsprogramm für schwer kriegsgeschädigte und traumatisierte Mütter und Mädchen entwickelt. Dank der finanziellen Unterstützung von kinder unserer welt werden zunächst 100 Teilnehmerinnen von einem psychosozialen Trainingsprogramm profitieren und von den Ausbildungstrainern des Vocational Training Centers zu Kleinhändlerinnen, Schafs- oder Ziegenzüchterinnen fortgebildet. Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung erhalten sie ein kleines Startkapital für ihren Einstieg in die Erwerbsarbeit. Ein kleiner Lichtblick nach zwei Jahren Krieg, in dem sie alles verloren haben.

kinder unserer welt freut sich, dass die erfolgreiche Arbeit des Ausbildungsprojekts, wenn auch zunächst in geringerem Umfang, fortgesetzt werden kann.

Nach dem Waffenstillstand im November 2022 zwischen der äthiopischen Regierung und der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF)  bemühen sich die Menschen, zu einer neuen Normalität zurückzufinden. Weiterhin sind jedoch Teile des Bundesstaats Tigray besetzt, sowohl von eritreischen Truppen als auch von Milizen aus anderen Bundesstaaten Äthiopiens.

Die Blockade von Telekommunikations- und Bankdienstleistungen, die uns von unseren Partnern vor Ort abgeschnitten hat, ist inzwischen aufgehoben. Berichte unserer Projektpartner zeichnen ein düsteres Bild über die Versorgungslage und Gesundheitssituation der Bevölkerung. Von den vielen Zerstörungen und Plünderungen sind auch unser Ausbildungszentrum in Shire und die Einrichtungen unserer Partner betroffen. Büros und Archive wurden zerstört, Fahrzeuge und anderes Material entwendet. Die Women's Association of Tigray und die Relief Society of Tigray arbeiten unermüdlich daran,  den vom Krieg massiv betroffenen Menschen Hilfe zu leisten und die Interimsregierung beim Wiederaufbau des Landes zu unterstützen.

Unser Ausbildungszentrum in Shire wird aktuell als Unterkunft für Geflüchtete genutzt.

kinder unserer welt steht unseren langjährigen Projektpartnern dabei zur Seite. Wir finanzieren dringend notwendige Beschaffungen von Medikamenten und u.a. die Gehälter der Mitarbeiter, die derzeit in der Mutter-Kind-Klinik in Endaselassie die von Krieg und Hunger betroffenen Frauen und Kindern medizinisch versorgen.