Kebrom[1] hatte gerade sein achtes Schuljahr abgeschlossen, als sein Vater starb. Mit Gelegenheitsjobs hatte der Vater zuvor die Familie ernährt und seinen Kindern den Schulbesuch ermöglicht. Nach dem Tod des Vaters musste der 14jährige Kebrom die Familie ernähren. Seine kränkliche Mutter konnte nicht zum Familieneinkommen beitragen.
Kebrom verließ die Schule. Zwei Jahre schaffte er mit täglich wechselnden Jobs Mutter und Geschwister zu unterstützen. Aber die Last wurde für den Jungen zu groß. Er verließ die Familie für ein Leben auf der Straße.
Wie unzählige Straßenkinder in der südwestlich von Addis Abeba gelegenen Stadt Jimma litt Kebrom unter Kälte, Nässe und Hunger, suchte täglich einen Schlafplatz, wurde Opfer körperlicher und psychischer Gewalt, erlebte Konfrontationen mit der Polizei, die in dem Jungen eher einen Kriminellen, als einen Hilfsbedürftigen sah und begann schließlich Klebstoff zu schnüffeln, um den Alltag besser zu ertragen.
Heute lebt der inzwischen 18-Jährige wieder bei seiner Familie. Zusammen mit einem Freund hat er einen Barbershop eröffnet. In Abendkursen holt er seinen Schulabschluss nach. Seine Mutter eröffnete einen kleinen Stand auf dem lokalen Markt. Mit seinem Einkommen trägt Kebrom maßgeblich zum Unterhalt der gesamten Familie bei. Wie kam es zu diesem Wandel?
Nach acht Monaten Leben als Straßenjunge erhielt Kebrom die Möglichkeit, an einem Programm des von kinder unserer welt unterstützten Street Children and Youth Project (SCYP) teilzunehmen. Die Teilnehmer des Programms erhalten psychologische Unterstützung und nehmen an lebenspraktischen sowie berufsbildenden Kursen teil. Kebrom entschied sich für einen viermonatigen Kurs, in denen er Grundkenntnisse des Friseurhandwerks erlernte. Nach erfolgreichem Abschluss dieses Kurses konnte er zu seiner Familie zurückgeführt werden. Seine Mutter erhielt ein kleines Startkapital zur Eröffnung eines Marktstandes. Kebrom arbeitete zunächst in einem Friseurladen, konnte dann als Taxifahrer etwas besser verdienen.
Von Anfang an unterstützte er seine Familie finanziell, besuchte schulische Abendkurse und bildete in einem Zeitraum von einem Jahr genügend Rücklagen, um mit einem Freund den ersehnten Barbershop zu eröffnen. Mit seinen 18 Jahren hat Kebrom einen weiten, schweren Weg zurückgelegt. Ausdrücklich dankt er allen, die ihn auf diesem Weg unterstützten, so auch kinder unserer welt. Wir freuen uns mit Kebrom und seiner Familie und wünschen für die Zukunft alles Gute.
[1] Name redaktionell geändert
